Marokko 2003-2004 - Marokko Teil 5

 

7.1.04
Heute sollten es eigentlich nur 120km nach Tafarout fahren. Eigentlich nur eine kurze überführungsetappe Richtung Süden, wenn da nicht das ein oder andere Hindernis gewesen wäre. Laut unserer Information sollte der Campingplatz in Tafarout nicht so der Wahnsinn sein. Abgesehen davon ist die Einfahrtshöhe von 3.40m für uns eindeutig zu niedrig. Dazu kommt noch, dass der Platz in der Stadt liegt und wir so mitten in der Stadt gewohnt hätten. Was angesichts der Tatsache, dass hier dutzendweise Kinder rumlaufen, die nach Stilos fragen, nicht gerade verlockend ist. Wir entschliessen uns also weiter Richtung Süden in das Fort Bour Jerif zu fahren. Unweit des Plage Blange (ein super Sandstrand). Die Kilometer rauschen an uns vorbei und als wir gegen 18.00 Uhr nur noch 20km vor dem Fort sind ist unser Optimismus noch recht ungetrübt über die letzten Kilometer. Laut Klausi seine Frau (Erika Daerr) sind die letzten Kilometer dorthin nicht mehr asphaltiert. Den genauen GPS Punkt haben wir von einem Holländer auf der Fähre bekommen. Also los, ca. 5 km vor dem Platz führt ein, sagen wir mal, Trampelpfad für kleine wendige Landrover durch das Tal, quert einige mal den spärlichen Flusslauf und führt teilweise gerade den Berg hinauf, um dann dort im rechten Winkel abzuknicken. Da unser Deutz aber nun mal kein Landy ist und wir die Breite des Weges teilweise erst einmal auf LKW-Maße bringen müssen, sind wir 3km vor dem Fort im Dunkeln. Die leicht modifizierten Scheinwerfer des Deutzes leuchten uns den Weg so einigermaßen. Aus Spaß schalte ich die Lalüla-Gelblichtlampen ein und prompt kommt hinter der nächsten Kuppe ein Landy angeflogen, der erst einmal scharf bremst, um nicht in uns hereinzusausen. Gegen 19.30 Uhr erreichen wir dann endlich das Fort, das inmitten vom Nirgendwo stand und wir haben unser Ziel endlich erreicht. Der Besitzer (ein franzosisches Ehepar) fragte noch etwas verwundert, ob wir denn durch den Fluß hoch gekommen sein, was wir nur etwas verwundert bejahten. Da wir zu diesem Zeitpunkt auch schon etwas müde und hungrig waren, fiel uns die Entscheidung, das Restaurant zu benutzen nicht schwer. Nachdem wir schon am LKW bestellt hatten (es gab drei Gerichte zur Auswahl) machten wir uns kurz darauf auf den Weg zum "Restaurant". Angesichts der Tatsache, dass es draußen nicht allzu kalt war, wollten wir draußen essen und uns das Geschehen im Inneren angucken. Kurz darauf wurden wir dann zum Essen gerufen. Auf die Frage, ob wir auch draußen essen können wurde uns höflich mitgeteilt, dass nur drinnen serviert wird. Darauf nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Tische im Laden waren mit Leinentüchern gedeckt. Servietten in den Gläsern. Leichte Klimper-Richard-Cleiderman-Musik plätscherte aus den Lautsprechern. Der Ober servierte unter viel Tamtam und mit der Hand am Rücken die Speisen. ähm - simmer hier inne Wüste oder in einem pik feinen französischen Delikatessrestaurant? Die restlichen Gäste schlürften irgendeinen Chataubridingensbumens und rannten wie aus dem Ei gepellt in ihren Saharaoutdoorhosen herum. Wir etwas verschwitzt, in dreckigen Klamotten und nur noch wild auf eine Dusche mit Hund mitten drin. Naja, irgend wie haben wir dann unser Essen verzehrt ohne größeres Aufsehen zu erwecken. Irgendwie am falschen Ort fühlten wir uns aber doch.


Schnell weg hier. Wir hatten abends noch Frühstück bestellt in der Hoffnung auch ein Gescheites zu bekommen. Es bestand dann aus Brot, etwas Butter und einer Pfirsichmarmelade. Etwas übersichtlich! Der Komplex an sich wunderschön, die Preise "olala"- nett umschrieben. übernachtung mit Frühstück und Abendessen 493DH was etwa 50 € sind. Die zweite Möglichkeit zum Fort oder davon weg zu kommen ist eine Piste, die zwar etwas länger ist, aber dafür von jederman zu befahren. (Das haben wir natürlich erst später erfahren). Wir also morgens voller Elan auf die Piste Richtung Plage Blange. Dummerweise entscheiden wir uns jedoch an einer Gabelung nicht den offiziellen "Heimweg" zu nehmen sondern rechts abzu biegen. Somit war unser Schicksal fast besiegelt. Hier die Facts der weiteren sieben Stunden. Die Wege waren teilweise so eng das wir mit dem LKW kaum durch kamen. An Bergflanken entlang gehangelt mit teilweise einem halben Reifen in der Luft (oder besser im Tal). Eine Befahrerin, die die Worte "weiter links" nicht mehr sagen will. Ein Fahrer, der nicht mehr "Ich bin schon ganz links" nicht mehr sagen will (nicht, dass das hier einer falsch versteht. Wir hatten keinen Stress miteinander, nur mit dem Weg). Und 50km bergauf bergab im ersten Gang (incl. Untersetzung) bei teilweise zwei Differentialsperren. Auf einmal ein Ploing. Unser erster Defekt. Das letzte Stück Auspuff hatte sich losgewackelt und hing nun quer über das Differential. Kurz mit einem Spanngurt hoch gebunden und weiter ging es. Die wenigen Einheimischen entlang der Küste guckten uns verwundert an, als wir mit unserem "Kleinwagen" die Berge hoch gekrochen kamen. Kurz vor dem Strand brach uns dann noch eine Versorgungsleitung zur Steuerung der Differentialsperre und der Untersetzung. Zu diesem Zeitpunkt war mir das jedoch schon ziemlich egal. Der Kompressor pumpte ausreichend Luft in die Kessel um bremsen zu können. Kurz vor dem Strand ein Pickup mit der Beschriftung "Bodensee Bootsschule". Unsere Freude war doch etwas größer jemanden zu treffen, der auf Deutsch mit halbwegs verlässlichen Angaben aufwarten konnte. Kurzentschlossen stellten wir uns deneben und verbrachten einen ruhigen und angenehmen Abend zusammen im Rauschen des Atlantics.

9.1.04
Da Sandra und Ich erst einmal genug "Menschenleere" hatten und sich meine Begeisterung, den Auspuff wieder festzuschrauben bzw. das gebrochene T-Stück wieder anzu löten in Grenzen hielt, entschieden wir Richtung Goulemnt zu fahren (wo wir sowieso vorbei gekommen währen) und dort einen Mechanican pour Caminon (oder so ähnlich) zu suchen. Da uns der Fort mehr gekostet hatte als wir dachten, mussten wir auch noch etwas Geld tanken. Der Geldautomat an der Banc Populare wollte mir irgendetwas mitteilen, was sich meinem Verständniss entzog. Also mit Bargeld rein und so tauschen. Irgendjemand in der Menge teilte mir mit, dass ich das ich auf den Schalter an dem ich Geld wechseln will irgendetwas hin legen müsse. So lagen dort schon einige marokanische Ausweise, Fahrzeugschlüssel und sonstige Dokumente. Nun gut in dieser Schlange lag dann halt mein Personalausweis. Der Reihe nach wurden Schlüssel und Ausweise abgearbeitet. Etwas später hatte ich dann auch unser Geld eingetauscht und es ging weiter zum tanken. Hier wieder das 1000 Dirham spiel. Man zeigt dem Tankwart das man für 1000 DH tanken will. Der tankt darauf für 100DH (ca 16 Liter) und guckt einen fragend an. Wenn man dann in den Dreck der auf dem Tank klebt 1000DH drauf schreibt ein weiterer ungläubiger Blick und es wird weiter getankt. Danach fragte ich ihn nach einem Automechaniker und sogleich führte mich ein was auch immer Anwesender zu einer Werkstatt drei Straßen weiter. Schwups schraubten drei fleißige Mechaniker am Dicken herum und keine stunde später waren sämtliche Schrauben nach gezogen und das gebrochene T-Stück wieder geschweißt. Das ganze dann für 100DH also etwa 10€ Das war sicherlich schon ein Touripreis, andererseits wurde die Arbeit gut ausgeführt und ich brauchte auch nichts mehr schrauben (ich hab Urlaub!) Mit dem nun wieder voll funktionsfähigen Truck und neuem Tatendrang ging es weiter Richtung Süden. Kurz vor Tan Tan gibt es einen (laut Handbuch) super Campingplatz. Etwas ausserhalb und nur über eine Piste zu erreichen (Nicht schon wieder). Die GPS Koordinaten, die auf dem Schild am Straßenrand standen, noch kurz eingegeben und schwups in Richtung Kasba (die Koordinaten die Erika da nieder geschrieben hat stimmen übrigens nicht bzw sind etwas ungenau). Hier erwartet uns eine wunderschöne anlage mit sauberen Sitztoiletten und (endlich) einer guten sauberen Dusche. Kurze Zeit später tauchte auf einmal ein Landrover aus Unna auf der Bildfläche auf. Ein Paar (Gerd und Roswita), das bis Ende März Afrika unsicher machen will. Good Luck! Und da denkt man man habe schon genug für den Tag geschrieben, schaltet den Laptop auf und schwupdiwup passiert noch was. Der Himmel verdunkelt sich, es raucht und donnert, naja nicht ganz. Unvermittelt steht auf einmal ein Viersener Kat 1 neben uns. Markus und Christiane auf Urlaubstour. Bisher kannten wir uns nur von kurzen Begegnungen auf irgendwelchen Treffen. Das sollte sich nun ändern.

10.1.04
Relax, don´t do it. Heute ist mal wieder ein Nixtutach dran, oder aber auch die erste (in)offizielle TanTanLan Party. Wir hocken zu dritt vor den LKWs und vernetzen unsere Laptops. Erste Rufe nach einem Switch kommen auf, aber mehrere Netzwerkkarten verrichten ihren Dienst. Heute gilt es mal wieder Sicherheitskopien zu verteilen. Gerd hatte im Stress der Urlaubsvorbereitung seine CD mit den Maps von Afrika zuhause vergessen. Ich dagegen hab alle Karten dabei, so dass wir erst einmal alles rüberkopieren müssen. Im Gegenzug bekomme ich Bilder der Dakar aus Tan Tan. Zwischen durch schmeiss ich mal wieder mein kleines Aggregat an um die Akkus etwas zu puffern (is ja klar, wir machen ne Netzwerkparty. Und die braucht nun mal Strom). Sandra ruht sich derweilen auf unserem Feldbett aus und genießt das Nichtstun. Abends gab es noch gemischtes Allerlei nach Art des Hauses. Zumindest hat allen geschmeckt was ich da zusammen gemischt hab. (da waren viele tolle Gewürze aus dem Bazar drin).

11.1.04 - Gib mir billigen Diesel!
Ca. 120km von hier liegt die Grenze zu Westsahara. Wobei es sich hierbei eigentlich nicht um eine Grenze handelt. Auf jeden Fall kann man hier zollfrei tanken. Marokkos Diesel ist mit 5.97 DH (ca 59 cent) zwar immer noch recht günstig, hier unten kostet das Zeug jedoch nur 2,9 DH. Markus und Christiane warten derweilen auf uns am Campingplatz. Wir wollen ein zwei Tage zusammen umher kreisen. Direkt hinter der gedachten Grenze zur Westsahara befinden sich drei Tankstellen. Der Ansturm ist dementsprechend groß. Ein Tankwart kommt ruckzuck angetrabt und hält einem den "Rüssel" in den Tank. Als ich ihm klar mache, dass der zweite Tank auf der anderen Seite auch noch gefüllt werden muss, nimmt er sofort eine zweite Zapfpistole, schmeisst diese quer unter dem Wagen durch um den zweiten Tank noch mit zu füllen. Ungeachtet davon tropft der verbliebene Diesel der Zapfpistole quer über den Asphalt. Hier scheint es kein Schwein zu interessieren wenn was auf den Boden kommt. Jeder Tank an jedem Fahrzeug wird so gefüllt, das auch wirklich nichts mehr rein geht. Ungeachtet davon ob nun ein halber Liter aussem am Tank vorbei läuft. Nun also die 120km zurück zum Camping (das hört sich immer so komisch an. Der Parkplatz vor der Kasba wo man auch die Toilette und Dusche mit benutzen kann) In Tan Tan noch schnell einige Einkäufe erledigen und am Ortsausgang die zwei Dromedars aus Beton fotografieren (die natürlich gerade neu angepinselt werden und dementsprechend zwei Gerüste daneben stehen). Danach nur noch abendliches Chillen.
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