Marokko 2003-2004 - Marokko Teil 3

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25.12.03 - Rock around the Christmastree
Ich bin komischerweise mal wieder mit einer der Ersten, die wach sind. Ausser mir ist nur Uli schon wach, der mit Karl spazieren ist. Erst mal das Chaos etwas beseitigen. Vor und im LKW siehts aus als ob eine Bombe eingeschlagen hat. Langsam kommen alle aus ihren Löchern gekrochen und ein emsiges Treiben beginnt. Uli verwöhnt uns mit einer ordentlichen Ladung Deep Purple in voller Lautstärke. Wäre Ingo hier, gäbs nur einen Satz üDas ist Rock n Rollü.


Stunden später sind wir dann auf dem Weg zum Supermarkt. Sieht aus wie Metro heisst Macro im Untertitel wieder Metro. Jetzt endlich machen wir uns auf den Weg Richtung Süden. Nach 20 Minuten Fahren denk ich mir üder Wagen hat überhaupt keinen durchzug mehrü. Zäh wie Kaugummi. Ein Blick auf das GPS sagt mir auch den Grund. Fes liegt in etwa 400m Seehöhe. Jetzt sind wir schon auf 800m. Tendenz steigend. Schliesslich landen wir auf 1800m in nur 90km. Die Landschaft (wie sollte es auch anders sein) verändert sich wahnsinnig. Zuerst noch viele Pappeln rechts und links des Weges. Hier oben auf 1800m nur noch Steppe. Zwischendurch machen wir immer wieder Fotopausen. So vielfälltig ist das Land. Ein mal denkt man, man sei im Schwarzwald (inkl. der dazugehörigen Häuser), dann in der Schweiz und zwischendurch auf einigen Hochebene man sei in Kanada. Die Landschaft fasziniert uns alle. An der Position 33,14,087N 4,39,950W, in einem größtenteils ausgetrocknetem See, finden wir unser Nachtquartier. Um uns herum sandige Berge und eine Sonne, die einen showträchtigen Untergang bereitet.

26.12.03
Der heutige Tag hat schreibtechnisch nicht viel zu bieten. Da sagen Fotos glaube ich mehr. Guido meinte üdas sieht hier aus wie in Australien - nur irgend wie kälter. Riesige Schluchten mit vereinzelten Forts und tolle Hochebenen. Unser Nachtquartier haben wir an einem Stausee aufgeschlagen, an dessen Ufern wir stehen. über den Tag haben wir dann 200km geschafft.






27.12.03
Heute geht es weiter Richtung Süden. Wir wollen am Abend am Erg Chebbi sein. Hier fängt die Sahara Marokkos an. Zumindest beginnt hier die üSandwüsteü. Steinwüste erstreckt sich schon zig Kilometer vorher. Wir durchqueren eines der größten zusammenhängenden Oasengebiete Marokkos. Das Zaz Tal. überall Palmen und Ackerflächen, eingebettet in ein Tal mit rötlichem Gestein. Einfach wunderschön. Gegen Mittag erreichen wir Erfoud. Für Marokkanische Verhältnisse eine größere Stadt (wobei sie natürlich nicht mit Fes oder Marrakech mit halten kann). Hier wollen wir am Markt einige Einkäufe erledigen.

Da wir mit den LKWs auch etwas Platz brauchen, parken wir in mitten der Stadt an einem Platz gegenüber des Marktes. Sofort sind wir von Kindern und Jugendlichen umkreist, die uns allerlei Firlefanz an drehen wollen. Momo und Karl (der Hund von Uli und unser Wau) übernehmen die Aufgabe der Alarmanlage, oder sollen zumindest böse gucken. Am Markt selber finde ich durch Zufall einen Stand, der Zimt anbietet. Eigentlich brauchen wir ja keinen, aber das riecht einfach zu lecker. Christians Gäste lassen sich von den Händlern eingarnen und kaufen wie wild Teppiche.

Christian selber tauscht dagegen einige mitgebrachte üabgelegteü Kleidung gegen Schmuck etc. Guido verabschiedet sich noch kurz ins Internetcafe, wo er mal eben seine üSpammailsü löscht. Gegen Nachmittag geht es dann weiter Richtung Wüste. Wir folgen einem Pfad der in allen Karten nur noch ügestricheltü eingezeichnet ist. Nach 30 km knickt der üWegü ab und man fährt über die Steppe weiter Richtung Osten, wo am Horizont schon Sanddünen zu erkennen sind. Da hier aber alles Plattland ist zieht sich das noch über einige Kilometer. Mitten in dieser Steppe immer wieder Kinder die einem Schnickschnack andrehen wollen oder nach üStilosü oder üCaramelü fragen.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Dünen und schlagen unser erstes Quartier in üDer Saharaü auf.
28.12.03
Der heutige Tag ist eigentlich nur ein Fun-Tag. Kilometer wollen wir heute nicht machen, nur etwas im Sand spielen. Die Autos werden etwas durch den Sand gefahren und immer wieder werden üFotopausenü eingelegt. So trödeln wir entlang des Erg Chebbi nur wenige Kilometer richtung Süden. Nathalie (Christians und Michls LKW) bleibt zwei Mal stecken und wird mit meinen Sandblechen und Bergegurten wieder auf festen Grund gezogen. Genauso fährt sich Uli mit seinem 1017 ein Mal fest.
Was Guido und mich natürlich über die Geländegängigkeit von Mercedes LKWs fachsimpeln lässt.

Gegen Nachmittag finden wir ein Quartier in der nähe einer Stadt/Dorf/Siedlung. Die Kinder dieser Stadt entdecken auch sehr schnell unseren Standort. Eine halbe Stunde später sitzen etwa 50 Kinder an der nächsten Düne, trauen sich aber nicht näher heran, da wir ja so gefährliche Kampfhunde dabei haben. Momo macht sich einen Spaß daraus, die Kiddys die sie gelegentlich anbellen auf Abstand zu halten. Uns ist das auch nicht ganz unlieb. Ansonsten säßen sie wohl schon in unseren LKWs. Gegen Einbruch der Dunkelheit lichten sich jedoch die Reihen. Ach ja. Tagsüber 32 Grad, abends um 18,00 (also gegen einbruch der Dunkelheit) immer noch angenehme 27 Grad. Abends gibt es noch Hühnergeschnetzeltes nach Art des Hauses (Naja, nach Art des LKWs kann man ja kaum schreiben) Auf jeden Fall mal wieder lecker (jaja, Eigenlob stinkt). Gegen 21 Uhr sind wir alle in den Federn. War doch schon recht anstrengend.
29.12.03
Heute ging es wieder etwas nördlich des Erg Chebbi. Direkt am Fuße (so sah es zumindest aus) einer riesigen Düne schlugen wir unser Camp auf. Die umliegenden Händler hatten eine üReisegruppeü bestehend aus ca. 30 Geländewagen aufs Korn genommen und uns in Ruhe gelassen. Heute wollten wir dann mal auf eine der hohen Dünen hinauf. Bewaffnet mit Fotokamera, Digitalkamera, Wechselobjektiven und Flüssigtreibstoff ging es die Düne hinauf. Interessanterweise kam nach jeder erklommenen Düne eine noch höhere Düne. Letztendlich haben wir ca 1 Std für den Aufstieg gebraucht. Entschädigt wurden wir dafür mit einem grandiosen Ausblick. Heute können nur Bilder halbwegs vermitteln was wir erlebt haben.


30.12.03
Wir verlassen den Erg in richtung Tinehir. Allerdings über eine sehr schöne Nebenstrecke. Die Straße schlängelt sich durch Oasen und unwirklich erscheinende Dörfer. Teilweise sind die Häuserschluchten so eng, dass wir bei Gegenverkehr Probleme bekommen würden mit unseren LKWs durchzukommen. Die Strecke ist faszinierend. In Tinehir blockieren wir kurzerhand den Parkplatz, um noch einige Einkäufe zu machen. Der anwesende Parkwächter springt wie ein Heinzelman um unsere Fahrzeuge und signalisiert uns, dass er besonders gut drauf auf passen will. (und hält jedem seinen Ausweis unter die Nase das er hier wichtig ist).

Der Bazar selber ist sehr angenehm. Keine Händler die einen in ihr Geschäft zerren wollen. Hier wird man in Ruhe gelassen, was nach den letzten Bazarerfahrungen recht angenehm ist. Die Straße hier sind deutlich enger als in den anderen Dörfern. Die Ware ist teilweise so dicht aufeinander gehängt, dass man kaum noch erkennen kann, wo was zu wem gehört. Auffällig viele Frauen tummeln sich hier herum und überwallen die Schmuckläden. Wie ich hinterher erfahre, ist hier das Zentrum der Marokkanischen Silberminen. Wir durchqueren noch einige Handwerkerviertel, in denen Sandra und ich hemmungslos Möbelstücke einpacken könnten. Ein wahrer Traum.

Der eigentliche Grund unseres Besuchs im Bazar war die Suche nach einem Bäcker. Nach vielem Suchen und mehr oder weniger direkt neben unseren Fahrzeugen nur in der anderen Lauf richtung haben wir dann auch einen gefunden. Hier duftete uns leckeres, frisches Fladenbrot entgegen. Da hier alles lecker aus sah, gab es erst einmal ein lustiges Allerlei von allem (und es hat alles lecker geschmeckt). Danach ging es weiter in die Tondraschlucht bzw. bis kurz davor.

Christian kannte hier einen Campingplatz, der empfehlenswert sei. Atlas Camping 31.33.180N 5.35.077W Douschen (jetzt schreib ich schon unbewusst wie es hier überall angeschlagen ist) und richtige Toiletten in erstaunlich gutem und gepflegtem Zustand. Nur mit dem Wasser sollte man etwas vorsichtig sein. Was hier aus dem Wasserhahn kommt sieht aus, als ob jemand seinen Tee mit entsorgt hätte (es ist sauber aber mit Krümeln). Auf jeden Fall nix zum Nachtanken (ohne Filter). Da wir abends alle keine lust hatten selber zu kochen, ging es auf die andere Straßenseite ins SouX Restaurant. Es gibt zwar nur drei verschiedene Gerichte. Die Fleischspieße waren aber lecker (wenn man auch Ewigkeiten drauf warten muss). Dabei gibt es leckeren Tee und alles für akzeptable Preise.




31.12.03 3755km
Ups, wir haben ja Sylvester. Würde das GPS nicht das Datum anzeigen, mir wäre es nicht aufgefallen. Wobei die Marokkaner wohl auch Sylvester feiern. Beim gestern erwähnten Becker gab es üHappy new Yearü-Torten die von den Einheimischen eifrig gekauft wurden.

Heute wollen wir zwei Schluchten durchfahren. Die Todra und Dades Schlucht. Die Todra schlängelt sich 30km durch den Fels und endet auf 2000m Höhe. Am Ende der Straße befindet sich ein kleines, unscheinbares Dorf, dass immer noch sehr verschlafen wirkt. Hier merkt man, dass sie touristisch schon sehr gut erschlossen ist. Danach geht es die Dadesschlucht hinauf. Sie ist zwar nicht so schmal (das ganze ist er ein weites Tal), dafür aber touristisch kaum erschlossen. Das kann aber auch daran liegen, dass man hier mit dem PKW kaum durch kommt. Die Straße ist kilometerlang nur in Fragmenten vorhanden.



Auf der Suche nach einer übernachtungsmöglichkeit sind wir nur auf zwei Camping-Areas gestoßen. Das eine ist ein Parkplatz neben einem Hotel, das andere ist Sahids Campingground 31.26.968N 5.58.238W. Ein wunderschön gelegenes Plätzchen. Man guckt direkt in das Tal hinein. Interssanterweise gibt's hier mit die besten Sanitäranlagen unserer bisherigen Reise (ok das Duschwasser ist kalt oder kalt - dafür aber sauber) Da ja, wie morgens schon bemerkt, Sylvester ist, sitzen wir gemütlich am Lagerfeuer zusammen und genießen den Abend. Btw. Ich fahr immer noch mit dem Diesel aus Spanien.





1.1.04
Langsam, aber allmählich kommen alle aus ihren Wagen gekrochen. Alle sehen noch etwas verknittert aus. Unser Gastgeber Sahid ist erst kurz vor 11 wieder da. Er musste gestern doch etwas unter oder mit uns leiden. Das Bier und der Whisky haben ihm auf jedem Fall geschmeckt. Heute revanchiert er sich dafür mit einem Tee den er stilvoll und nach allen Regeln der Kunst zubereitet. Gegen 14.00 ziehen wir dann langsam los Richtung Ouarzate. Eigentlich nur eine Verbindungsetappe in Richtung Zagora. Die Straße nach Zagora ist neu asphaltiert, so dass man sehr bequem dahin rollen kann. Auf halber Strecke entdecken wir einen Palmenhain (gibt's sowas überhaupt?). Naja, ne kleine Oase halt. Hier schlagen wir unser Nachtquartier auf.

Christian sammelt sofort Palmenblätter und versucht damit ein kleines Lagerfeuer zu entzünden. Die Palmwedel sind aber staub trocken und brennen innerhalb kürzester Zeit ab. Nach einer Stunde und mittlerweile ohne verdörrte Wedel geben wir irgendwie auf. Zeit doch etwas früher ins Bett zu gehen (es ist etwas frisch - zumindest zu frisch für t-shirtsitting).
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