Marokko 2003-2004 - Marokko Teil 2

 

   
22.12.03 - Was geht?
Es ist acht Uhr und ich bin wieder wach. Ein Teil von uns will noch einmal runter in die Stadt. Sandra und ich gönnen uns noch eine kleine Pause und warten am Campingplatz. Momo hat auf dem Platz einen Welpen getroffen, mit dem sie ausgiebig spielt. Gegen zwölf Uhr fahren wir langsam los in Richtung Fes. Nach 80 Kilometern verlassen wir die Hauptroute auf eine Nebenroute, die gerade etwas breiter ist als unsere LKWs. Der angenehme Nebeneffekt dabei: nicht jeder der an der Strasse steht will einem sofort etwas Peace verkaufen.


Hier in den Ausläufern des Rifgebirges wird sehr viel Landwirtschaft betrieben. Allerdings kaum mit Traktor. Kühe vor den Pflügen sind die Regel. Genauso ist der Esel oder das Muli immer noch eines der Hauptverkehrsmittel und Lastentransporter. Ich muss auch feststellen das Marokko wesentlich grüner ist, als ich dachte. Jetzt im Winter bei angenehmen 22 Grad ist wohl Anbauzeit. Im Sommer wird das wohl alles verdörrtes Land sein. Bei Fes el Bali können wir einen riesigen Staudamm bewundern. Er umfasst locker 300m in der Breite und ist mit arabischen Schriftzeichen und dem marokkanischen Stern versehen. An einem Aussichtspunkt oberhalb teilt uns ein Militär jedoch unmissverständlich mit, dass wir hier nicht übernachten dürfen. Da es sich hier um ein Bauwerk der Wasserversorgung und der Stromgewinnung handelt, wird der ganze Bau vom Militär bewacht bzw gesichert. Mittlerweile glaube ich, dass Marokko von Mercedes-Benz gesponsort wird. Taxen sind grundsätzlich aus der Baureihe 126 und wahlweise 200D oder 240D. Die Laufleistung der Autos übersteigt bei weiten die 500.000km Marke. (Der technische Zustand der Autos trotzt auch jeder Beschreibung). Sammeltaxen sind auch ein Thema. Hier am Land sind sie häufig anzutreffen. Mercedes (was auch sonst?) 207 oder 208er mit ohne Inneneinrichtung. Hier drapiert sich jeder so in das Fahrzeug wie er kann bzw wo er kann. Da es langsam dunkel wird, suchen wir eine übernachtungsmöglichkeit. Da es, wie oben schon beschrieben, kaum Traktoren gibt ist die Auswahl von wegen die von der Straße angehen in sehr überschaubarem Rahmen. Es gibt auf ca. 10km Strecke etwa 3 Wege, die von der Straße ab gehen. Wir entscheiden uns für einen etwas breiteren, der den Berg hoch führt. Nach einem leckeren Abendessen (Spaghetti Bolognese alla Steff) wird es langsam Nacht. Sleep Tied!

23.12.03 - Willkommen auf der A3

Irgendwann so gegen 8.30 werden wir wach. Kurz danach merken wir, dass der "Feldweg", den wir gestern als Nachtquartier gewählt haben, wohl eine der Hauptverkehrsadern der örtlichen Bauern ist.

Grundsätzlich ist das auch kein Problem, da die Bauern hier fast ausschliesslich mit Eseln und Mulis arbeiten, da aber alle fünf Minuten ein Bauer an uns vorbei zieht, entschliessen wir uns, weiterzuziehen und das Frühstück wo anders zu uns zu nehmen. Ansonsten ist heute nicht viel passiert. Mit einem Vmax von 50km/h oder einer Nominalgeschwindigkeit von 35km/h tuckern wir durch die Hauptverkehrsadern. Was hier jedoch als reguläre Straße geführt wird, ist in Deutschland eine Straße für das letzte Kuhkaff mit 50 Einwohnern, also einspurig für beide Richtungen und dazu mit vielen Kratern (da werden auch unsere Ostdeutschen Mitbürger noch neidisch).

Wir entscheiden uns NICHT den internationalen Campingplatz in Fes zu nehmen, da Christian letztes jahr nicht sonderlich beeindruckt von ihm war. In unserem Reiseführer vom Klausi Därrs Frau steht auch ein zweiter sehr guter mit GPS Koordinaten beschrieben. Nach dem ich die Koordinaten in mein GPS eingegeben habe führe ich die Kollone zielsicher ans Ziel - Nicht jedoch den Campingplatz. Hier finden wir eine mittelalterliche Festung die sicherlich Besichtigungswert ist, nicht jedoch der Platz. Kurz vor dem Urlaub hatte ich jedoch noch im Internet eine Homepage entdeckt, in dem einige Campingplätze Marokkos beschrieben sind.

Nachdem ich die Seiten rausgekramt hatte und unter Fes nachgeguckt habe, fiel mir auch direkt ein Satz auf: Der auf Seite 519 des Klausis Frau Führers beschriebene Wegpunkt zum Campingplatz ist falsch. Der richtige lautet "pliplaplo" und ist nach Eingabe in mein GPS genau 9,8km weiter südlicher. Ok - Die Karavane zieht weiter... Am Diamond Camping bei Fes erwartet uns ein sehr schön gelegener Campingplatz. Zwischen den Bäumen kann man sich bequem hinstellen und der Rasen steht in sattem Grün. Fünf Meter neben unserem LKW fliesst ein kleiner Bach, der klares, sauberes Wasser führt. Für Momo der Anlass mal wieder ausgiebig schwimmen zu gehen. Sie hatte von heute morgen noch sehr viel Lehm zwischen den Pfoten, der kaum von alleine verschwinden wollte und so langsam aushärtet und sie nicht mehr richtig laufen kann.

Gegen Abend verschwinden Christian und seine Gäste noch einmal nach Fes zur nächtlichen Besichtigung. Sandra und ich entschliessen uns den Abend am Platz zu verbringen und uns etwas Ruhe anzutun. Zu erwähnen wären vielleicht noch die örtlichen WCs. Als Europäer ist man ja ein Ideal-Standard gewöhnt. Hier gibt es dann wieder eine neue Herausforderung. Keramikschüssel mit Loch im Boden eingelassen. Zum Spülen bitte den Eimer Wasser daneben benutzen und das Papier in den Korb daneben. Sein Papier muss man natürlich selber mit bringen. Mir ist auch noch nicht ganz klar wie man sich da hin hocken kann, ohne sich selbst auf die klamotten zu dingsbumsen. Aber wir sind ja noch lange genug da.
24.12.03 - Christmas unterm Palmenwedel
Heute bleiben wir in Fes und machen ein Stadtbesichtigungsschrömmeltag. Gestern hat Christian noch einen Guide organisiert, der uns um 10 Uhr mit einem Kleinbus abholen soll. Gegen Mittag war er dann endlich da, allerdings mit zwei Taxen. Die Taxe, mit der wir unterwegs waren (wieder ein 200D aus der 123er Serie), hatte stolze 1.012.000 km auf dem Tacho. Der Fahrer sah auch so aus als ob er die komplett selber gefahren hätte. Ich schätze ihn mal auf Anfang 70. Bis auf die Tatsache das er beinahe 5 Personen über den Tag beinahe erledigt hätte (aber wie gesagt nur beinahe) und wir die Logik seines Hupens nicht ganz begriffen haben (irgendwie immer und ohne erkennbaren Grund) eine klasse Kutscher.

Standardtouriziel der Königspalast. Nicht zu Besichtigen aber auch von aussen schon sehr schön. Danach weiter auf einen Hügel am Rande der Stadt. Hier befindet sich eine Burg die (wie soll es anders sein) wieder nicht von Innen zu besichtigen ist (weil das Militär sich hier breit gemacht hat). Dafür hat man aber eine super übersicht über ganz Fes. Die Altstadt (Medina) und die Neustadt die sich um einen kleinen Berg herumschlingelt. Fes ist mit 753.000 Einwohnern nicht zu unterschätzen.

Die Neustadt ist sehr westlich orientiert bzw. man merkt kaum, dass man sich in Marokko befindet. Die Altstadt ist ein Fall für sich. Wer sich hier alleine durchwuseln will, ist meiner meinung nach gnadenlos aufgeschmissen. Unser Guide führt uns durch Gassen, die teilweise so eng sind das wir Probleme haben Guidos Rolli durchzubekommen. Die Reifen schrammen links und rechts an den Wänden.

Jede Berufsgattung hat hier sein eigenes Eckchen. Die Weber, Töpferer oder Metallverarbeiter genauso wie die Gerber oder "Die Fressgasse" (im Bild: Töpferei).


Als uns der Hunger überkommt machen wir halt an einem kleinen Stand mit "Stäbchenfleisch": Hackfleisch im Fladenbrot. Also eine Variante des Döners. Wahnsinnig lecker und echt günstig. Für drei Personen inkl. Cola (die hier wieder total anders schmeckt als in Deutschland) zahlen wir den Touripreis von 55 Dirham was 5,5 € entspricht (für alles zusammen). Lecker wars! Danach zu den Gerbern. Hier schickt uns unser Guide eine Treppe hoch, die nach nichts vermuten lässt. Guido will noch einige ganze Leder für zuhause mit nehmen, Sandra und ich wollen noch Schaffelle für den LKW haben. Als wir uns durch den Laden schlengeln werden wir auf die Terasse geführt. Hier kann man von oben auf die Färberbecken gucken.



Komisch irgendwie kenn ich diesen Anblick schon aus dem ein oder anderen Reiseführer. (Unser Guide erzählt uns, dass er Klausi und Erika hier wohl auch schon her geschleift hat) Nach vielem Feilschen werden wir uns alle einig. Bepackt mit riesigen Paketen machen wir uns auf den Heimweg. Der Heilige abend oder so.
Weihnachten in der Marokko ist schon irgendwie komisch. Alle telefonieren nach Hause und machen die Pflichtanrufe für die Daheimgebliebenen. Ich zieh mir mein Weihnachtsmanndress an und gehe von einem Fahrzeug zum anderen und wünsche allen eine Frohe Weihnacht. Einige Franzosen mit kleinen Kindern freune sich riesig, dass für die Kleinen auch der Weihnachtsman kommt. Danach verteile ich Wachsfackeln um die LKWs und wir fangen an die mitgebrachten Plätzchen, Christstollen und Lebkuchen auf den Tischen zu verteilen. Von den umliegenden Wohnmobilen kommen dauernd neue Gesichter dazu.

Schliesslich sind wir ein Riesenkreis von über 20 Personen mit starken Tendenzen Richtung Schwaben. Irgendwer schleppt Glühwein an und mancheiner stellt einen Kanister "Diesel" auf den Tisch (wobei jetzt dahingestellt sei ob es sich bei dem Inhalt um Weinbrand oder Whisky handelt. Die Diskussion wird aber noch fortgeführt). Wir kuscheln uns in unsere Schaffelle und geniessen den Abend in großer Runde. Weihnachten total anders, aber irgend wie toll. Christian und ich schliessen die Runde zu einer Zeit, an der man keine Uhr mehr lesen kann.
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