Marokko 2003-2004

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marokko vom 19.12.2003 bis 26.1.2004

Das Reisetagebuch von Sandra, Steff und Momo

Ein kleiner Teil der Einkäufe
19. 12. 2003 Tag der Abreise (Sandra):
Heute geht es los! Endlich, die lange Zeit der Vorbereitungen ist vorbei. Was wir jetzt nicht haben, muss gekauft werden. Hoffentlich haben wir an alles gedacht. Aber in dem Chaos kann natürlich auch was untergegangen sein.


Aufgewacht sind wir beide heute morgen kurz bevor der Wecker anfangen konnte zu klingeln. Tja, die innere Uhr geht doch noch, hätte ich nicht gedacht, wo wir doch sonst so schwer aus dem Bett kommen! Aber heute nicht, wir müssen uns ja auch sputen, gegen halb zehn wird Stefans Papa mit Momo erwartet. Also raus aus den Federn und rein ins Badezimmer, Katzenwäsche, und dann direkt die ersten Sachen geschnappt und runter zum LKW. Das soll da alles noch rein? Wo? Egal, passt schon! Schnell noch ein Tasse Kaffee, dass muss sein.

Während wir noch am packen sind, kommen die beiden auch schon. Großes Hallo und Freude bei Momo. Wir sind Gott sei Dank gut im Zeitplan und schon fast fertig. Schnell noch das letzte bisschen ins Führerhaus und dann kann es eigentlich auch schon los gehen. Nur noch schnell verabschieden und dann los. Okay, wir hören uns noch schnell die letzten Erinnerungen an, z. B. passt auf euch auf, seid vorsichtig, lasst euch nicht klauen usw. - also noch mal den ganzen Text aufsagen. Nein uns klaut schon keiner, wir sind immer vorsichtig und wir passen auf uns auf und kommen heil und gesund wieder zurück. So, das war es, Stefans Papa winkt mit dem Taschentuch hinter uns her! Abfahrt endlich!

Kaum auf der Autobahn, klingelt auch schon das Handy. Ingo ruft an, er wollte uns noch auf Wiedersehen sagen, aber wir sind zu früh los. Schade! Jetzt erstmal RICHTUNG Belgien und volltanken. Oh man, wie funktioniert dieses doofe Navigationsprogramm? Ich bin ratlos! Na, ich habe ja genug Zeit mich damit auseinander zu setzen. Belgien ist nach dem Tanken schnell durchfahren, und vor uns liegen die endlose Weiten Frankreichs. Ob wir es heute wohl noch bis zur Spanischen Grenze schaffen? Wir werden sehen. Eigentlich sieht es ganz gut aus, bis uns in Paris der Feierabendverkehr ereilt. Stau! Wie doof! Na, das müssen wir durch!

Frank ruft an, und erkundigt sich wie weit wir schon gekommen sind und versichert mir nochmals, dass es dem Katerchen gut geht. Schön! Weiter durch Paris! Das nervt, schon bald zwei Stunden das wir hier rumeiern! Dann endlich geht es weiter! So langsam habe ich das mit dem Routenplaner auch begriffen! Doch noch lernfähig! Tja, nach Paris kommt aber nicht mehr viel interessantes und Autofahren in der Nacht ist auch nicht das spannenste. Zwischendurch mal anhalten und pischern gehen und dann weiter. So gegen zwei Uhr, und fast der Hälfte der gesamten Strecke, verlässt uns dann aber doch noch der Elan und wir kriechen völlig erschlagen in die Koje.
20. 12. 2003 Weiterfahrt (Sandra/Steff)
Gegen neun Uhr haben wir die Augen aufgeschlagen und uns gewundert, wie die LKWs es geschafft haben sich so leise vom Rastplatz zu schleichen. Wir haben wohl beide sehr fest geschlafen! Okay, es hilft nichts, wir müssen weiter. Also wieder nur Katzenwäsche, kurz Momo um dem LKW schicken und los. Frühstück gibt es während der Fahrt, Müsliriegel für Stefan und Spekulatius für Sandra und Momo. Das letzte Stück Frankreich ist eigentlich schnell geschafft, aber dann kommt es!

Direkt nach der Grenze zu Spanien, fangen die Berge an, zuerst sind es kleine Hügel, die sich duch die Landschaft schlingeln, ab und an kann man sogar noch das Meer sehen. Aber es gibt auch größere Hügel, wo wir uns mehr schlecht als recht drüberquälen. Ich wußte nicht, das Spanien so viele Berge hat! Aber auch diese s Martyrium sollte schon nach freundlichen fünfhundert Kilometern beendet sein.

(Steff) Als wir an Madrid vorbei fahren muss ich feststellen das es in Europa im Jahr 2003 noch totale Armut gibt. Stadtauswärts sind entlang der Autbahn kilometerlangs Slums in denen Menschen in Blechhütten wohenen und leben. Angesichts solcher Bilder sollte sich Herr Asnar überlegen ob es nicht sinnvoller ist den eigenen Menschen zu helfen anstatt den Amerikaner das Geld für einen sinnlosen Irakkrieg in den Hintern zu schieben. Der restliche Teil Madrids sieht von der Autobahn auch nicht sehr erbaulich aus. Kilometerlang Hochhäuser mit zwanzig, dreissig Etagen im übelsten Zustand. Ich bezeichne sowas meist als Wohnsilos aber nicht als Raum zum Leben.
21.12 2003 Welcome to Marroc (Steff)
Wir sind gestern abend noch bis Algeciras durch gefahren. 50km vor dem Ziel war dann einer unserer 300 Liter Tanks leer und wir haben auf der Autobahn noch einen Zwangsstop hingelegt. Zum Glück waren im anderen Tank noch knapp 100 Liter, so dass wir zügig weiter fahren konnten.

Nachts im Fährhafen angekommen (es war zwei Uhr) noch ein reges Treiben am Kay der Fähre. Da es hier wohl keine Ladenöffnungszeit gibt, (wer hat eigentlich sowas dummes erfunden?) beschliessen wir noch schnell die Tickets zu kaufen. Unser LKW steht zwischen einigen Trucks und das monotone Brummen eines Kühlaggregats summt uns in den Schlaf.
Morgens werden wir von eben diesem Brummen wieder geweckt. Es ist 7.30 und wir sind wach (Wir haben Urlaub!).

Die erste Fähre ging um 6.15 die zweite um 8, na gut die haben wir halt verschlafen. Auch egal. In der Warteschlange neben uns steht ein Holländer mit einem Landrover. Er gibt uns noch einen GPS-Punkt von einem Campingplatz in einem ehemaligen Fort im Süden. Den sollen wir uns auf jeden Fall angucken.
Die Fähre ist recht unspektakulär. Einzig zu erwähnen ist, dass wir zwar eine normale Fähre gebucht und bezahlt haben, zur Zeit aber die Schnellfähre fährt und wir in "Ups wir sind ja schon drüben" 35 minuten in Ceuta sind. Btw. 1L Jack Daniels kostet auf der Fähre 11.10 €.

In Ceuta angekommen erst einmal eine Tankstelle besuchen. 48 Cent für den Liter Diesel ist angesichts der Tatsache, dass die Tanks leer sind, fast wie im Himmel. Da wir ja unwesentliche 550 Liter getankt haben hielt es der Tankwart für nötig, uns noch Handschuhe und eine Regenjacke (lach) zu schenken.
Auf zur Grenze!

Hier angekommen laufen Männer in weisser Kutte herum, die sich anbieten gegen einen "Obolus" bei den Zollformalitäten zu helfen. Erst einmal einen Zettel ausfüllen und den mit den Pässen an Schalter 4 abgeben. Schalter Vier ist eigentlich nur ein "Loch" in der Wand. Allerdings stehen hier noch 30 andere im Pulk und jeder versucht sein Bestes. Die Passrückgabe erfolgt am Schalter daneben. Der hat allerdings keine Nummer (so wie alle anderen Schalter auch, ausser Schalter Vier). In dem Office sitzen einige Beamte, die der Reihe nach die Pässe begutachten und irgendetwas in mehrere Bücher eintragen. Am anderen Schalter werden dann eine gute halbe Stunde später die Pässe hochgehalten und wer am lautesten schreit bekommt einen. (hier stehen ja auch wieder 30 leute vor dem Loch).

Wenn man das geschafft hat, kann man sein Fahrzeug anmelden. Dafür braucht man einen blaues Formular das man sich am blauen Container (wie auch sonst) geben lassen muss. Hier trägt man dann Fahrgestellnummer, Fahrzeug etc ein. Jetzt kann man sich an (oh wunder) einer Schlange anstellen um das Fahrzeug eintragen zu lassen. Hier sitzt ein Beamter an einem dicken Buch in dem er Kennzeichen und einigen Mumpitz einträgt. Haben wir es jetzt geschafft? Nein. Die Abnahme vom Fahzeug besteht uns vor. Ein freundlicher Zollner wirft einen Blick in unser Fahrzeug, sieht das zwei Schlafsäcke auf dem Bett liegen und fragt mich ob ich Schusswaffen dabei hätte. Als ich das verneine, ist er mit der Kontrolle fertig. Wofür hab ich eigentlich das Funkgerät ausgebaut und mir die Einreisegenehmigung für das GPS zu faxen lassen?

Ok weiter. Jetzt fahren wir zum Ausgang der Grenzstation. Hier werden wir dann noch einmal nach dem Zettel für die Fahrzeugeinreise gefragt und unsere Pässe werden begutachtet ob wir auch alle Stempel drin haben. Nachdem wir noch gefragt wurden, ob wir noch Personen im Koffer einschleusen. Ich und meine "Ehefrau" (zumindest waren wir das für die Zöllner) dürfen einreisen.

Direkt hinter der Grenze macht man am besten erst einmal die Augen zu. Hier stranden wohl alle, die als Flüchtlinge nach Europa wollen. Dementsprechend wüst sieht es aus. Man denkt erst einmal, man fährt in die schlimmsten Slums. Glücklicherweise ändert sich das Bild nach einigen Kilometern, so dass man sich als Europäer nicht mehr ganz so großkotzig fühlt. 10.000 neue Gerüche gehen durch meine Nase. An jeder Straßenkreuzung stehen akkurat gekleidete Polizisten und kontrollieren die Funktion der Ampel oder was auch immer. Sie stehen halt mitten auf der Straße und machen einen guten Eindruck. Das gleiche Bild ist an jedem Kreisverkehr. Hier werden gerne Kontrollen durchgeführt. Aber scheinbar nur von Einheimischen. Wir werden von ihnen nur Freundlich und mit würde durchgewunken.

Durch Tatouan durch fahren wir richtung Chefchaouen. Hier haben wir uns mit Christian, Guido und Uli verabredet. Auf dem Weg dahin merkt man das man in einem Hauptanbaugebiet von Canabis fährt. Nach offiziellen Angaben der marokkanischen Regierung leben etwa 250.000 Menschen im Rifgebirge, die vom Anbau und Handel von Hanf leben. Mir kommt es so vor, als ob 1% davon uns gerade zugewunken haben.

Der Campingplatz in Chefchaouen ist ein Steinacker am oberen Ende der Stadt. Hier kann zwischen den Bäumen gezeltet werden oder unten auf einem 20x70m langen Platz campiert werden. Die Sanitäranlagen sind laut Christian für marokanische Verhältnisse okay. Okay, vielleicht sollte ich mich jetzt daran gewöhnen entweder nur noch auf unser eigenes Portapoti zu gehen oder mich daran gewöhnen mich halt nicht mehr hin zu setzen (wie auch ohne Klobrille?). Spülen geht mit einem Eimer, der direkt neben dem WC an einem Wasserhahn hängt. Klopapier bitte in den Mülleimer neben der Toilette, da das Papier sonst die Kanalisation verstopft. Sagen wir also mal die WCs sind benutzbar aber für einen verwöhnten Europäer gewöhnungsbedürftig.

Abends gehen wir noch in die Stadt. Chefchaouen wird auch die "Blaue Stadt" genannt. Wenn man durch die Markstraßen läuft, ist das auch unverkennbar. Viele Häuser in den schönsten Blautönen lachen uns an. Meine Fotokamera, die ich wechselweise zur Digicam nutze, ist im Dauerbetrieb. Am Markt gibt es Gewürzstände die mit den leckersten Gerüchen aufbieten.
Angesichts der Tatsache das wir in zwei Tagen 2500km mit den LKW abgerissen haben fallen wir abends relativ früh in einen komatösen Schlaf.
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